Das Unrechtsurteil

Das Urteil im Steuerprozeß gegen Bayernpräsident Uli Hoeneß ist gefallen. Das Gericht verurteilte ihn zu 3,5 Jahren Haft ohne Bewährung. Doch ist dieses Urteil gerecht?

Auch wenn wir uns damit gegen alle Umfragen stellen, meint Tacheles.biz NEIN!!! Wir wissen, dass wir damit eine unpopuläre Meinung vertreten. Nichtsdestotrotz wollen wir zu diesem Thema Tacheles reden.

Klar, die Summe von fast 30 Millionen Euro, die da nun im Raume steht, ist erschreckend. Da könnte man meinen, mit 3,5 Jahren ist er noch glimpflich davon gekommen, wenn man bedenkt, dass die Höchstrafe auch hätte bei 10 Jahren liegen können.

Doch wenn man genauer hinschaut, muss man ein solches Urteil als schlichtweg ungerecht empfinden. Und das gilt nicht nur für den Fall Uli Hoeneß, sondern für Steuerstraftaten generell. Klar, der Schaden für die Allgemeinheit ist auf dem ersten Blick immens. Doch rechtfertigt das eine derartige Strafe?

Uli Hoeneß hat quasi jeden Bundesbürger um nicht einmal 50 Cent betuckt, wenn man es mal aus der Sicht der Allgemeinheit sieht. Ein Kinderschänder dagegen, der als Ersttäter in Erscheinung getreten ist, bekommt oft nicht einmal 3,5 Jahre, weil er ja ein kranker Mensch ist. Dieser hat zweifellos nicht JEDEN Deutschen um 50 Cent geprellt. Doch hat er nicht das Leben eines kleinen Kindes für immer zerstört? Hat er nicht den Eltern dieses Kindes unsagbares Leid zugefügt? Natürlich hinkt dieser Vergleich etwas, aber es musste mal so gesagt werden.

Auf der einen Seite haben wir die Reichen, zu denen auch Hoeneß zählt, die sogenannten Stützen unserer Gesellschaft, diejenigen, die durch ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten unseren Staat florieren lassen, auch wenn sie vielleicht die ein oder andere Million hinterziehen. Dennoch dürfte selbst der größte Steuerhinterzieher immer noch mehr ins Staatssäckel bringen als der arbeitsunwillige Harz-Vierer, der schwatt malochen geht. Und bei Letztgenanntem ist die Kriminelle Energie ebenso hoch, wie beim Steuerhinterzieher. Nur wird dieser, der nun gar nichts zum Staatshaushalt beiträgt, sondern sich nur am Staatssäckl bedient, nicht für 3,5 Jahre weggesperrt.

Das Gericht hat somit einen Menschen bestraft, der der Gesellschaft viel gibt, sich selber (natürlich unberechtigt, da sind wir uns einig) einen Teil davon behält. Derjenige, der nichts gibt und sich (ebenfalls unberechtigt) nur was nimmt, der ist fein raus. Er ist auch derjenige, der zu den 78 Prozent der Deutschen gehört, die die Strafe gerechtfertigt finden oder sogar eine höhere Strafe für Hoeneß fordern. Schließlich ist ja aus seiner Sicht wieder so ein superreicher Sack, dem es schon gut genug geht, daran Schuld, dass seine Stütze monatlich so gering ausfällt.

Wir von Tacheles.biz können dazu nur sagen: Armes Deutschland!